Aleks Gmyzin im Interview – Was macht der ehemalige Freiwillige heute?

Die Freiwilligen der Konrad-Biesalski-Schule unterstützen ein Schuljahr die Fachkräfte im Schulalltag. Danach zerstreuen sich die jungen Menschen in alle Himmelsrichtungen und starten ins Berufsleben. Wie haben sie sich weiterentwickelt? Wie sieht ihr Leben heute aus? Diese und weitere Fragen wurden dem ehemaligen FSJler Aleks Gmyzin im Telefoninterview gestellt.

Aleks hat im Schuljahr 2017/2018 seinen Freiwilligendienst in der Berufsschulstufe absolviert. Seine Aufgaben waren die Begleitung der Schüler im Unterricht, Unterstützung der Lehrkräfte und die Über­nahme von pflegerischen Tätigkeiten. Nach seinem Freiwilligendienst ist er nach Freiburg in eine WG gezogen, um eine duale Ausbildung als Chemielaborant zu beginnen. Wenn alles klappt, wird er diese im Februar 2021 beenden. Danach möchte Aleks seinen Traum erfüllen und Molekulare Medizin studieren. Diesen Traum hat er schon seit seinem Jugendalter. Da es diesen Studiengang in Russland noch nicht gibt, entschloss er sich seine Heimat für die berufliche Karriere zu verlassen. Auch in Deutschland ist es schwierig, einen Studienplatz zu finden, denn auch hier bieten viele Universitäten diese Speziali­sierung nicht an. Nicht so die Uni Freiburg. Da Aleks bereits in seiner Heimat zwei Jahre im naturwissenschaftlichen Bereich studiert hat und hier eine Ausbildung absolviert, konnte er sich in Deutschland für einen Studienplatz qualifizieren. Im Interview erzählt Aleks über seinen aktuellen Alltag und reflektiert seine Erfahrungen aus dem FSJ.

Aleks, inwiefern hat dich das FSJ an der KBS weitergebracht?

Aleks: Ich konnte im FSJ meine Sprachkenntnisse verbessern und Kontakte knüpfen. Was mir sehr geholfen hat, sind die FSJ Seminare. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich nur einen Traum im Kopf – Molekulare Medizin zu studieren. Doch ich wusste nicht, wie ich diesen Traum erfüllen kann. Das FSJ-Büro hat mir sehr geholfen und mir alle Möglichkeiten aufgezeigt. So wurde aus dem Traum ein Weg und dafür möchte ich dem Freiwilligenbüro meinen herzlichen Dank aussprechen. Durch das FSJ habe ich so viele Menschen kennengelernt. Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten, zeichnen sich durch einen besonders herzlichen Charakter aus. Mit manchen FSJ, die ich auf Seminaren kennengelernt habe, treffe ich mich auch heute noch. Obwohl wir uns nicht oft sehen, fühlen wir uns so verbunden.

Hattest du in deiner Heimat Kontakte zu Menschen mit Behinderung? Wie ist die Situation für Menschen mit Behinderung in Russland?

Aleks: Ich muss sagen, dass ich in Russland kaum Kontakte zu Menschen mit Behinderung hatte. Das liegt daran, dass die Umstände ganz anders sind – kein Vergleich zu Deutschland. Es gibt so viele Barrieren, keine Aufzüge, kein Einstieg in öffentliche Verkehrsmittel für Menschen im Rollstuhl. Das ist mir erst so richtig bewusst geworden, als ich wieder Urlaub in meiner Heimat gemacht habe. Durch diese Umstände leben viele Menschen mit Behinderung isoliert und es gibt keine oder nur wenig Berührungspunkte. Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass sich das in der Zukunft bessern wird.

„Das Freiwilligenbüro hat mir geholfen, meinen Traum zu verwirklichen.“

Was würdest du den jetzigen FSJlern mit auf den Weg geben?

Aleks: Seid nicht schüchtern! Ich hatte am Anfang große Ehrfurcht vor meinen Kollegen, da sie alle ein Studium oder eine Ausbildung haben und ich „nur“ ein FSJler war. Mit der Zeit habe ich aber realisiert, dass jeder an der KBS ein wichtiger Teil des Ganzen ist. Mein Team hat mir immer das Gefühl gegeben, ein vollwertiges Mitglied zu sein, das fand ich toll. Zudem finde ich wichtig, bei unserer Arbeit immer im Hinterkopf zu haben, dass sich die größten Barrieren in den Köpfen der Menschen befinden und diese gilt es einzureißen, um eine inklusive Gesellschaft zu ermöglichen.

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Reha-Südwest Ostwürttemberg-Hohenlohe gGmbH

Saskia Schachner

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